Ständehaus am Kaiserteich - Schwanenspiegel – vom ehemaligen Plenarsaal zum Schauplatz der Kunst
Das Ständehaus am Kaiserteich vereint über 100 Jahre Parlamentsgeschichte: Hier tagten der Provinziallandtag der Rheinprovinz und später der Landtag Nordrhein‑Westfalen, bevor das Gebäude zum Museum K21 wurde.
Im Mittelpunkt steht der ehemalige Plenarsaal – ein Raum, in dem einst über Gesetze gestritten wurde und der heute zur eindrucksvollen Kulisse zeitgenössischer Kunst geworden ist.
Historische Bühne: Wie das Ständehaus entstand
Nachdem das Düsseldorfer Stadtschloss 1872 abbrannte, suchten die preußischen Provinzialstände einen neuen, repräsentativen Parlamentssitz und ließen von 1876 bis 1880 das Ständehaus am Kaiserteich errichten. Architekt Julius Raschdorff entwarf einen neorenaissancehaften Vierflügelbau mit Sandsteinfassaden, Giebeln und einem großzügigen Treppenhaus – mehr Palast als Amtsgebäude.
Von 1880 bis 1933 diente das Haus als Parlamentsgebäude des Provinziallandtages der preußischen Rheinprovinz, der hier über Verwaltung, Infrastruktur und soziale Aufgaben der Region entschied.
Das Herz des Hauses: der ehemalige Plenarsaal
Kernstück des Ständehauses war der Plenarsaal mit erhobenem Präsidium, flankiert von den Bänken der Regierung und überragt von einer Besucher- und Pressetribüne am hinteren Saalende. Ein großformatiger Gobelin mit dem Landeswappen schmückte die Wand hinter dem Präsidium und verlieh dem Raum einen feierlichen, fast theatralischen Charakter.
Beim Wiederaufbau nach den Bombenschäden von 1943 vergrößerte Hans Schwippert den Plenarsaal bis zur südlichen Innenseite des Gebäudes, um mehr Platz für Abgeordnete und Öffentlichkeit zu schaffen – der ursprüngliche Innenhofcharakter ging dabei verloren.
Vom Provinziallandtag zum Landtag Nordrhein‑Westfalen
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die britischen Behörden, das zerstörte Ständehaus als Sitz des neuen Landtags Nordrhein‑Westfalen wiederaufzubauen. Bereits am 15. März 1949 tagte der erste gewählte Landtag im frisch hergerichteten Plenarsaal – Startpunkt für rund 40 Jahre Landespolitik am Kaiserteich.
Insgesamt fanden hier 864 Plenarsitzungen statt, in denen über Schulpolitik, Strukturwandel, Kulturförderung und den Ausbau der Industrie- und Dienstleistungsregion beraten wurde. Die Raumverhältnisse waren jedoch dauerhaft beengt, weshalb immer wieder Erweiterungspläne diskutiert wurden, die aus Denkmalschutzgründen letztlich verworfen wurden.
Anekdote: Kabelsalat im Fernsehzeitalter
Mit dem Aufkommen von Radio- und Fernsehübertragungen wurde der historische Plenarsaal zur Technikspielwiese: Für Live‑Sendungen mussten provisorische Kabeltrassen quer durch den Saal gelegt und Mikrofone an den alten Holztischen montiert werden.
Zeitzeugen berichten, dass sich manche Abgeordnete eher von den Kamerastativen beobachtet fühlten als von der Opposition – ein frühes Beispiel dafür, wie Medienöffentlichkeit die Arbeit im Parlament veränderte.
Abschied vom Parlamentsbetrieb und Jahre der Ungewissheit
1988 zog der Landtag in den neuen Rundbau am Rheinufer um, weil das Ständehaus trotz aller Umbauideen zu klein geworden war. Der Plenarsaal verstummte, und das Gebäude stand zunächst mehrere Jahre leer, wurde zeitweise für Filmaufnahmen und Veranstaltungen genutzt und galt als sanierungsbedürftig.
Klar war nur: Die prominente Lage am Kaiserteich und die lange Parlamentsgeschichte verlangten nach einer Nutzung, die dem Denkmal gerecht wurde – Abriss war nie eine Option.
Von der Politik zur Kunst: der Plenarsaal im K21
In den 1990er‑Jahren fiel die Entscheidung, das Ständehaus als zweiten Standort der Kunstsammlung Nordrhein‑Westfalen auszubauen – neben dem K20 am Grabbeplatz. Kiessler+Partner reduzierten den mehrfach erweiterten Plenarsaal wieder auf die ursprünglichen Maße von 1880, markierten diese als „weiße Box“ im Raum und schufen so eine klare Bühne für künstlerische Eingriffe.
2002 eröffnete hier das Museum K21, das internationale Gegenwartskunst zeigt; im ehemaligen Plenarsaal befindet sich seitdem Reinhard Muchas monumentale Installation „Das Deutschlandgerät“, die den Ort selbst und die deutsche Geschichte reflektiert.
Warum sich ein Besuch im Ständehaus lohnt
Wer heute den Weg vom Carlsplatz über die Hohe Straße nimmt, sieht das neorenaissancehafte Ständehaus mit seiner weißen Glaskuppel über dem Kaiserteich aufragen – ein ideales Fotomotiv zwischen Wasser, Parklandschaft und Stadt.
Im Inneren erzählt insbesondere der ehemalige Plenarsaal anschaulich, wie sich der Ort vom Machtzentrum der Politik zu einem der spannendsten Räume zeitgenössischer Kunst entwickelt hat – ein perfekter Einstieg, bevor ein eigener Blogartikel die Kunstsammlung K21 selbst in den Mittelpunkt stellt.

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