Berühmte Persönlichkeiten in Düsseldorf: 🎭 Der Düsseldorfer Faust: Gustaf Gründgens – Genie, Legende und der unbequeme Stern

Genie oder Opportunist? Gustaf Gründgens und sein unbequemes Erbe in Düsseldorf

🎭 Der Düsseldorfer Faust: Gustaf Gründgens – Genie, Legende und der unbequeme Stern

✨ Vom Schüler der Bühnenkunst zur unentrinnbaren Präsenz

Wer in Düsseldorf lebt, begegnet Gustaf Gründgens unweigerlich. Sein Name klebt nicht nur am Gustaf-Gründgens-Platz – jenem architektonischen Statement, auf dem heute das Schauspielhaus steht – sondern leuchtet auch als goldener Gedenkstern in den noblen Kö-Bogen-Arkaden.

Selbst die moderne Hipster-Hotellerie ehrt ihn an historischer Stätte: Das Ruby Leni Hotel an der Jahnstraße 3, im ehemaligen Nachkriegs-Spielhaus der Stadt, inszeniert die Thematik seiner berühmtesten Rolle – den "Faust". Der Name "Leni" ist dabei die intellektuelle Referenz zur Schönen Helena, jener mythischen Figur aus Faust II – eine subtile, tiefgründige Verbeugung vor dem Drama, das Gründgens so prägte.

Gründgens ist hier nicht nur Geschichte, er ist Marketing, Architektur und Anekdote. Seine Beziehung zu Düsseldorf ist fundamental: Nach einer kurzen kaufmännischen Lehre absolvierte er 1919/20 seine Ausbildung an der Hochschule für Bühnenkunst des Schauspielhauses. Schon damals bescheinigte man ihm ein „ungewöhnliches Talent für die sinnfällige Ausformung der seelischen Struktur problematischer Naturen“.


🇩🇪 Kontroverse in der Garderobe: Karriere im Dritten Reich

Gründgens' künstlerische Brillanz ist unbestritten. Doch seine Karriere entfaltete sich während der Nazi-Diktatur. Die Kontroverse lässt sich nicht ausblenden, sie ist der goldene Stern mit einem dunklen Fleck: Gründgens blieb 1933 in Deutschland. 1934 wurde er Intendant des Staatlichen Schauspielhauses und zum Staatsschauspieler ernannt.

Seine Loyalität lag primär bei Hermann Göring, dem er direkt unterstand, was ihm Schutz vor den Angriffen Goebbels' verschaffte. Gründgens wurde 1936 von Göring zum preußischen Staatsrat ernannt. Er bezog eines der höchsten Gehälter im Kulturbetrieb, wirkte in Filmen wie Ohm Krüger mit und profitierte massiv vom Regime.


🏗️ Das Comeback: Gründgens baut die Kulturstadt wieder auf

Nach Kriegsende wurde Gründgens im Speziallager Jamlitz interniert. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er von zahlreichen Kollegen entlastet – darunter Ernst Busch, den Gründgens während des Krieges durch seine Intervention bei Göring vor der Hinrichtung gerettet hatte.

Sein Engagement in Düsseldorf nach 1947 war keine nostalgische Rückkehr, sondern ein kultureller Neuanfang mit politischer Notwendigkeit.

Von 1947 bis 1955 wirkte Gründgens als Generalintendant der Städtischen Bühnen und des Düsseldorfer Schauspielhauses. Seine Arbeit hier war nichts weniger als die Wiederherstellung der kulturellen Integrität der Stadt. Er holte internationale Stücke auf die Trümmerbühnen und baute das Haus wieder zu einem der wichtigsten Häuser Deutschlands auf. Seine Düsseldorfer Inszenierung des Faust (1954) gilt zudem als die Geburtsstunde des modernen Hörbuchs.

Die unbequeme Wahrheit: Düsseldorf ehrt in Gründgens nicht den politischen Akteur des Dritten Reichs, sondern den unverzichtbaren Wiederaufbauer und das künstlerische Genie, das der Stadt nach dem Krieg ihren Glanz zurückgab. Gründgens bewies, dass die Kunst größer war als die Ruinen.

🌟 Das Erbe: Stern, Platz und Faust – Die doppelte Moral

In Düsseldorf wird Gründgens' Erbe als eine Art kultureller Faustischer Pakt gelebt:

  • Der Gustaf-Gründgens-Platz: Er erinnert an die intellektuelle Ambition nach 1945.
  • Der Gedenk-Stern (Kö-Bogen): Er zementiert ihn als Teil des Düsseldorfer Luxus- und Kultur-Narrativs.
  • Das Ruby Leni ("Faust"): Es feiert ihn als urbane Ikone, die zeigt, dass die größten Düsseldorfer Geschichten immer auch einen dunklen Unterton haben.

Gründgens ist somit die perfekte Düsseldorfer Ikone: **Brillant, umstritten und absolut unübersehbar.** Ein Spiegelbild einer Stadt, die immer Wert auf Ästhetik und Haltung legt, auch wenn die Geschichte kompliziert ist.

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